Pferde auf dem Gestüt "Unter den Linden"

Gestüt

Wenngleich wir inzwischen unseren Hof verkauft und uns mit den letzten beiden Lipizzanern aufs „Altenteil“ zurückgezogen haben, möchten wir doch gerne unsere Erfahrungen rund um diese alte Pferderasse auf diesen Seiten weitergeben.

Der Hof „Unter den Linden“ lag inmitten seiner Weiden und Wiesen. Zur Zucht wurden nur Nachkommen aus traditionsreichen Blutlinien eingesetzt. Die Abstammungen gingen auf die Gründer der Stutenfamilie und Hengststämme zum Teil bis 1755 zurück. Sie verkörperten den Typ des edlen barocken Prunk- und Paradepferds.

Mehr über die Gestütsgründung und unser Zuchtziel ist unter „Ein Blick zurück“ zu erfahren.

Zucht

Aufzuchtbedingungen

Vom Fohlen zum Jährling

Jungstuten

Junghengste

Training

Trainingsphilosophie

Trainingsbeispiel

Anreiten junger Lipizzaner

Fortgeschrittenes Training

Veranstaltungen

Vorträge

Gestütsvorführungen

Lipizzaner hautnah erleben

Zu Gast "Unter den Linden"

In den Medien

Bremen Eins zu Gast

Presseausschnitte

Im Fernsehen

Ein Blick zurück

Ein Blick zurück

Schon als junges Mädchen zog mich ein Lipizzaner Hengst durch sein beeindruckendes Wesen in seinen Bann. Auf meinen Wunsch als Reitanfängerin auch einmal „ein Pferd putzen zu dürfen“ wurde der Hengst aus dem Stall geholt und ich konnte mich erstmals unter fachkundigen Aufsicht und Anleitung im Gebrauch von Striegel und Kardätsche üben.

Rund ein Jahr später wurde mir der Hengst als Reitpferd zugeteilt und ich machte ihn mit klopfendem Herzen für die Reitstunde fertig. Schließlich hatte ich schon gesehen, wie temperamentvoll er mit einigen seiner Reiter umspringen konnte. Der Lipizzaner folgte mir nicht nur brav in die Reitbahn, er ließ sich auch aufgesessen mit leichter Hand lenken.

Eine harmonische Stunde an der Spitze der Abteilung fand ihre Krönung in einer feierlichen Ansprache des Reitlehrers, Hans-Joachim Bruno, mit der er mir die Sporen verlieh. Diese zu tragen, so Bruno, sei eine Ehre und eine Pflicht. Was bedeutete, dass auch empfindliche Pferde mit Sporen zu reiten waren und der Reiter gefälligst seine Absätze so tief und die Schenkel so ruhig zu halten hatte, dass das Pferd nicht gestört wurde. Der Lipizzaner-Hengst hat sich auch bei späteren Ritten stets anständig verhalten. Seit diesen Jugendjahren habe ich mich mit der Lipizzaner-Rasse und ihrer Geschichte beschäftigt.

Im Rahmen meiner journalistischen Tätigkeit im Raum Marburg/Biedenkopf widmete ich mich unter anderem den zahlreichen Veranstaltungen der Pferdezüchter und den sportlichen Aktivitäten und Turnieren der Reitvereine. Insbesondere die Zuchtveranstaltungen verfolgte und dokumentierte ich über zehn Jahre mit großem Interesse. In dieser Zeit wandelte sich das Hessenpferd vom schweren Wirtschaftswarmblut zum leichteren Sportpferd und zeigte sich vielseitig einsetzbar sowohl in Dressur und Springen als auch im Fahrsport und der Vielseitigkeit sowie als Freizeitpferd.

So wundert es nicht, dass mein erstes eigenes Pferd eine Hessenstute war. Sie war schon ein Veredelungsprodukt, hannoversch gezogen und mit Vollblutahnen in jeder Linie.

Berufliche und familiäre Gründe führten zu mehrfachen mehrjährigen Auslandsaufenthalten bei denen ich stets auch reiterlich aktiv war und mich mit den lokalen Besonderheiten von Pferdehaltung und Sport befasste. So lernte ich in England im Damensattel zu reiten und aus Brasilien brachten wir einen Vollblüter mit nach Deutschland.

Als meine Hessenstute nach unserer Rückkehr aus Brasilien ein schönes Hengstfohlen zur Welt brachte, wurde ein langgehegter Wunsch nach einem eigenen Gestüt in die Tat umgesetzt.

Ich besann mich auf meine alte Liebe zum Lipizzaner und 20 Jahre lang hatte eine kleine Herde ihre Heimat in idyllischer ländlicher Lage im Norden Deutschlands auf der Geest. Wenngleich wir dort nicht die Höhenlage des Karstgebirges, der Wiege der Lipizzaner, vorfanden, so ähnelten doch die eher kargen und steinigen Böden ein wenig den Aufzuchtbedingungen in Lipica.

Lipica bedeutet "kleine Linde" und da unser altes Niedersachsenhaus von Linden umsäumt war, lag der Gestütsname „Unter den Linden“ nahe. Der Hof befand sich inmitten seiner Weiden und Wiesen. Die früher als Maismonokultur bewirtschafteten Flächen wurden von uns in Grünland, mit vielfältigen für Pferde besonders geeigneten rohfaserreichen Grassorten, umgewandelt. Dazwischen wuchsen unterschiedliche Kräuter. So konnten wir aromatisches Heu für unsere Lipizzaner ernten.

In der Zucht wurden nur Nachkommen aus traditionsreichen Blutlinien eingesetzt. Wie bei allen Lipizzanern gingen die Abstammungen lückenlos auf die Gründer der Stutenfamilien und Hengststämme, zum Teil bis 1755, zurück. Unser Zuchtziel war es den Typ des edlen barocken Prunk- und Paradepferds sowohl in seiner äußeren Erscheinung als auch in seinem Wesen zu erhalten.

Wohlwissend, dass sich der Lipizzaner in seinen Ursprüngen durch eine Vielzahl sehr unterschiedlicher und bunter Fellfarben auszeichnete, habe ich meine Zucht auf zwei braunen Stuten aufgebaut. Hinzu kam die Überlegung, dass durch farbige Pferde das Auftreten des Schimmelmelanoms zurückgedrängt werden könnte. Dies wurde inzwischen durch wissenschaftliche Untersuchungen bestätigt und einige große Staatsgestüte, wie etwa Piber, setzen ebenfalls gezielt zu diesem Zweck Farbträger in ihrer Zucht ein.

Später stellte sich heraus, dass die beiden Stuten zwar eine braune Fellfarbe hatten jedoch auch Träger des Sabino-Scheckgens waren. Ein Überbleibsel der bunten Vielfalt aus barocken Zeiten.

Das Ziel unseres Gestüts war nicht die schlichte Vermehrung der Rasse, sondern eine Zucht auf Basis der alten Gene im Sinne des Ursprungszuchtbuchs (siehe Wissenswertes) zur Erhaltung des originalen Typs.

Weiterhin sollten die Fohlen im Herdenverband aufgezogen werden und ihre Reiteignung durch ein erstes Training bei uns getestet werden. Erst danach kamen Nachkommen zum Verkauf.

Durch einen glücklichen Zufall konnten wir im Januar 2000 die fast zehnjährige Stute Ravata erwerben. Sie war bereits durch verschiedene Hände gegangen und hatte schon drei Fohlen zur Welt gebracht. Zu Ravata bestand vom ersten Moment an ein tiefes gegenseitiges Vertrauen. Sie war die unumstrittene Leitstute unserer kleinen Herde und wurde nach Abschluss ihrer Zuchtlaufbahn in ihrer zweiten Karriere ein zuverlässiges Damensattelpferd. Zu unseren Gestütsvorführungen präsentierte sie sich sogar mit Kandare auch dies ein eindrucksvoller Vertrauensbeweis, denn als sie zu uns kam weigerte sie sich in der ersten Zeit standhaft ein Gebiss aufzunehmen.

Mehr zu unseren Lipizzanern, Aufzucht und Ausbildung finden Sie auf den folgenden Seiten.

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